Rezensionen

[Rückblick] Meine Top 5 für das 2. Quartal 2021

Nachdem ich Mitte Mai nach zwei Jahren Pause wieder mit Lesen und Rezensieren angefangen habe, haben sich schnell viele gelesene Bücher angesammelt. Insgesamt gab es keine wirklichen Enttäuschungen in diesem Quartal, wenn auch einige Bücher sehr schwach waren. Insgesamt hatte ich Glück und konnte viele vergnügliche Lesestunden mit Büchern aus vielen verschiedenen Genres genießen. Hier also in aufsteigender Reihenfolge meine Top 5 für das 2. Quartal 2021.


#5 – Die Highlanderin

Die Tochter der Highlands.

Island 1289: Bei einem Schiffsunglück gerät Enja in die Fänge von Menschenhändlern. Sie wird in den Orient entführt und dort zur Assassinin ausgebildet. Als junge Frau sucht sie ihre Wurzeln und macht sich auf den langen Weg nach Schottland, wo in den Highlands ein erbitterter Krieg zwischen den Clans und den Engländern tobt. Als Enja bei einem Angriff schwer verletzt wird, rettet sie ausgerechnet der Clanführer James Douglas. Auf seiner Burg kommt sie wieder zu Kräften. Sie ist fasziniert von James, und als er in englische Gefangenschaft gerät, unternimmt Enja alles, um ihn zu retten – obwohl sie sich damit einen mächtigen Feind macht: den englischen König.

Die hochspannende Geschichte einer furchtlosen Heldin vor der Kulisse der Schottischen Unabhängigkeitskriege

Dieses Buch hat mir einen romantischen, historischen Roman versprochen und stattdessen bekam ich ein episches Portrait einer starken Kämpferin, die nicht nur in Schottland, sondern auch in Persien gelebt hat. Für mich war das eine sehr positive Überraschung und ich habe jede Seite dieses Buches geliebt. Obwohl die Protagonistin bisweilen zu gut, zu übermächtig wirkte, habe ich trotzdem mit ihrer Lebensgeschichte mitgefiebert. Die solide Recherche, die im Nachwort sehr knapp, aber fundiert in einen größeren Kontext gestellt wird, macht diese Geschichte zu einem imposanten Werk. Auch wenn es einige Kleinigkeiten gab, die mich beim Lesen gestört haben, schafft es dieser Roman auf Platz 5 für das 2. Quartal 2021. Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung im Oktober.

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#4 – Die Akte Adenauer

Die dunklen Geheimnisse einer jungen Demokratie. Die Entstehung des BKA. Das biedere Rheinland als Hitzekessel der Mächte, auf das der Schatten des Kalten Krieges fällt.

Mitten im Wahlkampf 1953 wird Philipp Gerber Kriminalhauptkommissar beim BKA. Seine Aufgabe: den Mord an seinem Vorgänger aufzuklären. Sein Geheimnis: Wie der Ermordete ist Gerber Agent der Amerikaner. Gemeinsam mit der Journalistin Eva Herden findet er heraus, dass die rechtsgerichteten «Wölfe Deutschlands» noch aktiv sind. Um ein Zeichen gegen den Kommunismus setzen, wollen sie einen der führenden linken Politiker töten. Bundeskanzler Adenauer persönlich betraut Gerber mit der Aufgabe, seinen Kontrahenten zu beschützen …

Ich habe selten tiefgreifende Recherche so unterhaltsam umgesetzt gesehen wie in diesem Buch. Natürlich kennt man die Anfänge der Bundesrepublik, man weiß, wie die Machtverhältnisse damals waren, doch die spezifischen Details, die hier aufgearbeitet werden, so spannend in einen Thriller dargestellt, waren zumindest mir neu. Von allen Büchern, die ich im 2. Quartal gelesen habe, ist dieses vermutlich mein Lieblingsbuch, auch wenn es diverse Dinge gab, die mich gestört haben. Insbesondere die weiblichen Figuren und die Antagonisten haben als Charaktere nur mäßig funktioniert. Die Ermittlungen des Protagonisten hingegen und die Art, wie sich all dies nahtlos in unsere reale Vergangenheit fügt, haben mir viele atemlose Lesestunden verschafft. Am Ende waren die Kritikpunkte aber zu gravierend, um es zu meiner Nummer eins zu machen, so dass dieser Roman schließlich auf Platz vier gelandet ist.

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#3 – Dein Herz in tausend Worten

Ein berührender Liebesroman über vergessene Bücher, eine schüchterne Frau und einen Mann, der glaubte, nie wieder lieben zu können

Die schüchterne Millie arbeitet als Assistentin in einem Verlag und rettet heimlich abgelehnte Manuskripte. Eins davon hat es ihr besonders angetan – eine traurige Liebesgeschichte, deren Worte sie in ihrem Innersten berühren. Sie beginnt, einzelne Zeilen daraus heimlich in Cafés und in Läden zu verteilen, um auch anderen Menschen Trost zu spenden. Als der Autor William Winter einen Zettel entdeckt, ist er entsetzt. Wurde sein Roman geklaut? Macht sich jemand über ihn lustig? William will unbedingt herausfinden, wer das getan hat. Doch als er Millie das erste Mal unwissentlich begegnet, geschieht etwas mit ihm: Sie bringt ihn dazu, über sein Geheimnis zu sprechen, und berührt ihn tief in seinem Herzen. Nur Millie macht die plötzliche Nähe Angst, sie glaubt nicht an das Glück und flüchtet …

In diesem Roman habe ich mich von der ersten Seite an wohlgefühlt. Die weibliche Hauptfigur hat mich angesprochen und gerade in ihrer Unsicherheit konnte ich mich wiederfinden. Die Geschichte bietet nicht viel Konflikt und keine auftauchende Person ist wirklich ein Antagonist. Was normalerweise ein handwerklicher Mangel bei einer Geschichte wäre, ist hier gerade die Stärke. Es ist ein Buch zum Wohlfühlen, zum Träumen – ein modernes Märchen. Ich habe es an einem einzigen Nachmittag verschlungen und hatte am Ende das Gefühl, dass meine Seele sich entspannt hat. Entsprechend hat es sich unumstritten den dritten Platz verdient.

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#2 – Das Buch des Totengräbers

Wenn in Wien der Tod umgeht, gibt es nur einen, der ihm alle Geheimnisse entlocken kann

1893: Augustin Rothmayer ist Totengräber auf dem berühmten Wiener Zentralfriedhof. Ein schrulliger, jedoch hochgebildeter Kauz, der den ersten Almanach für Totengräber schreibt. Seine Ruhe wird jäh gestört, als er Besuch vom jungen Inspektor Leopold von Herzfeldt bekommt. Herzfeldt braucht einen Todes-Experten: Mehrere Dienstmädchen wurden ermordet – jede von ihnen brutal gepfählt. Der Totengräber hat schon Leichen in jeder Form gesehen, kennt alle Todesursachen und Verwesungsstufen. Er weiß, dass das Pfählen eine uralte Methode ist, um Untote unter der Erde zu halten. Geht in Wien ein abergläubischer Serientäter um? Der Inspektor und der Totengräber beginnen gemeinsam zu ermitteln und müssen feststellen, dass sich hinter den Pforten dieser glamourösen Weltstadt tiefe Abgründe auftun …

Hier wusste ich zu Beginn nicht, was mich erwarten würde, und so bin ich ohne Erwartungen an die Lektüre gegangen. Belohnt wurde ich mit schrägen, eigensinnigen Charakteren und einem verstrickten Plot, der es in sich hatte. Besonders hervorzuheben ist hier, dass alle Charaktere ihre Momente haben, in denen sie unsympathisch sind, aber die meisten insgesamt doch liebenswert sind gerade wegen ihrer Fehler. Ebenso interessant ist zu sehen, wie der Kriminalfall zunächst immer komplexer zu werden scheint, bis er schließlich kunstvoll aufgelöst wird, so dass das Ende befriedigend ist. Als Auftakt für eine Reihe um den Polizist mit modernen, außergewöhnlichen Methoden hat dieser Roman definitiv funktioniert und sich den zweiten Platz in meiner Top wohlverdient.

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#1 – Die Malerin des Nordlichts

Ein Leben für die Kunst, ein Leben für die Liebe.

Norwegen 1922: Signe ist talentiert, ambitioniert und vor allem eins: frei! Endlich hat sie sich aus ihrer unglücklichen Ehe gelöst, und damit von einem Mann, der für ihre große Leidenschaft, die Malerei kein Verständnis hat. In ihrer Jugend lernte sie, an der Seite ihres Onkels, dem Genie Edvard Munch, die schillernde Osloer Bohème kennen. Nun nimmt Signe Unterricht beim Sohn von Paul Gauguin, sie hat sich geschworen, ihr Leben ausschließlich der Kunst zu widmen. Sie will ein Werk hinterlassen, das – ebenso wie die Bilder ihres Onkels – die Menschen bewegt und aufrüttelt. Dann lernt sie Einar kennen und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Als er sich dem Widerstand anschließt, begreift Signe, dass man manchmal alles wagen muss – in der Liebe und in der Kunst.

Dieses Buch ist schon vor einer Weile erschienen, doch es lag noch auf meinem Stapel ungelesener Bücher von vor meiner zweijährigen Auszeit, also wollte ich damit einsteigen. Es war definitiv eine gute Wahl. Die Reihe um historische Frauenfiguren, die der Aufbau-Verlag immer noch erweitert, verspricht mit jedem Buch Einblicke sowohl in interessante Charaktere als auch in Gebiete von Kunst und Kultur, die ich sonst nicht so tiefgehend kenne. In diesem Fall habe ich nicht nur mehr über die Malerei uns Künstlerbohème in Norwegen gelernt, sondern auch einen Blick auf den Zweiten Weltkrieg bekommen, der mir so anschaulich bisher fremd war. Mit Signe Munch haben wir zudem eine ältere Protagonistin, mit der ich mich sehr gut identifizieren konnte. Ihr Wachstum, auch in schon „fortgeschrittenem“ Alter, spiegelt meine eigene innere Reise der letzten Jahre wider. In diesem Buch konnte ich versinken, träumen, fürchten und immer wieder etwas Neues lernen. Bisher mein unangefochtenes Jahreshighlight und damit verdient auf Platz eins.

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